Montag, 30. April 2012

Wiederanerkennung der DLH


Gestern (also am 29.04.2012) war für die DLH ein historisches Datum - nach 77 Jahren wurde die Rasse nicht nur von einem internationalen Richtergremium im Rahmen einer Katzenausstellung wieder anerkannt, sondern der Antrag auf Rasseanerkennung fand nun auch in der WCF, einem der vier größten internationalen Verbände, eine deutliche Mehrheit. Doch nun der Reihe nach. So schnell und einfach, wie sich das liest, war alles rund um die Wiederanerkennung nun wirklich nicht. Und warum Wiederanerkennung?


Eine der DLH-Züchtern - Anja Kircher-Kannemann (Cattery "von ad fontes") - ist Historikerin und hat weder Geld noch Mühen gescheut, um Licht in das Dunkel der letzten 70 Jahre der Deutsch Langhaarkatze zu bringen. Sie konnte eindeutig belegen, dass die DLH bereits international als Rassekatze anerkannt war. In Deutschland durfte sie als "Deutsch Langhaar" neben Persern und Hl. Birma in der Langhaarklasse gezüchtet und ausgestellt werden, eine Halblanghaarklasse gab es damals nicht. International führte sie den Namen "razza boreale" bzw. "borealis". Außer in Deutschland fand die Rasse vor allem in der Schweiz, Frankreich und Italien begeisterte Liebhaber und Züchter, so dass es nicht lange dauerte, dass die Deutsch Langhaar auch international erfolgreich gezüchtet und ausgestellt wurde. Sogar von der Vorläuferorganisation der Fife (Confédération Internationale Féline, C.I.F.) war die Rasse Ende der 1930er Jahre bereits anerkannt. 

Prof. Schwangart musste sich leider in der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte weitgehend zurückziehen. Als bekennender Kommunist war er 1939 aller Ämter enthoben worden und in seine Heimatstadt München zurückgekehrt. Seine Richtertätigkeit auf Katzenausstellungen übte er fortan nur noch in der neutralen Schweiz aus.



Es liegen nun eindeutige Belege vor, dass die DLH bereits vor dem zweiten Weltkrieg offiziell anerkannt war. Trotzdem wurde sie von den sich nach dem zweiten Weltkrieg neu formierenden Zuchtvereinen nicht wie Perser, Siam oder Hl. Birma automatisch übernommen und geriet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr und mehr in Vergessenheit.

Die Züchter, die sich dem Erhalt dieser wunderbaren Rasse verschrieben hatten, mussten nun im Rahmen von Anerkennungsshows zeigen, dass ihre Katzen ein einheitliches Bild abgeben und dem Standard entsprechen. Dazu mussten Katzen aus mehreren Zuchtgenerationen von mehreren Zuchtrichtern begutachtet werden. Die Entwicklung der Rasse wurde dargestellt und es musste nachgewiesen werden, dass eine ausreichend große Zuchtbasis vorhanden ist. Wer einmal an einer Katzenausstellung teilgenommen hat, kann sich vorstellen, dass es gar nicht so einfach ist, von einer seltenen Rasse eine größere Anzahl von Katzen auf die Bühne bzw. vor die Richter zu bringen.

Die Bemühungen der DLH-Züchter wurden am 29.04.2012 endlich von Erfolg gekrönt. Es kam sogar zur Anerkennung gleich durch beide Vereine, was keiner zu hoffen gewagt hatte.


Auch wenn die DLH zu den ältesten Rassen überhaupt gezählt werden kann, ist ihre Wiederanerkennung ein bedeutender Schritt für die heutige DLH-Zucht. 77 Jahre nach ihrer ersten offiziellen Anerkennung wird sie nun wieder in die Reihen der Rassekatzen eingereiht, zu der sie einst gehörte.



Alle Fotografien zeigen Deutsch Langhaarkatzen aus den 1930er Jahren.

Sonntag, 22. Januar 2012

Was ist typisch an der DLH?

Schaut man sich Fotografien von heute lebenden Deutsch Langhaarkatzen an, so fällt als erstes das halblange bis lange Fell auf. Das gibt es so bei einigen anderen Rassekatzen auch und ist ganz und gar kein eindeutiges Identifizierungsmerkmal. Worin unterscheiden sich nun aber die verschiedenen Katzenrassen voneinander?

Neben der allgemeinen Körperform, ist die Form des Kopfes das wesentliche Merkmal, an dem ein Kenner z.B. eine Norwegische Waldkatze von einer Maine Coon unterscheidet. Will man Deutsch Langhaarkatzen so erhalten, wie sie einst waren, orientiert man sich am besten an Katzen, wie sie auf alten Fotografien oder auf Zeichnungen eindeutig als DLH beschrieben wurden und kann so die schriftlichen Angaben von Prof. Schwangart konkretisieren.

Deutsch Langhaar
(aus "Die Deutsche Katzenzucht", 1938)
Der Erstbenenner unserer Rasse beschreibt den Kopf im Unterschied zum damaligen Perser folgendermaßen "Nun stellt aber der richtige Perser – Muster waren die Stücke des „Cat Club de France et de Belgique“ auf der letzten Dresdner Ausstellung, auch die Berliner zeigte solche Importen -, ein stark einseitiges Zuchtprodukt dar, mit seinem mopshaft überstumpfen, wenn auch noch so interessanten und imposanten Gesicht und seiner klobig vorgetriebenen Stirn, und ihm steht ein ursprünglich gearteter Formtyp von Langhaar gegenüber, mit freilich ebenfalls breitem Kurzkopf und –gesicht aber abgeschrägter Stirn und längerem, geradem oder sanft gewölbtem, statt persermäßig eingezogenem Nasenrücken. Diese Form, welche der unseres Kurzhaartigers, etwa auch der bei unserer europäischen Wildkatze entspricht, müßte, wäre sie auch nicht so schön, schon mit Rücksicht auf ihr Normalgepräge unserem Langhaar erhalten bleiben." (aus: Tierbörse, 1929)


Führt man sich vor Augen, dass Perser zu Zeiten Schwangarts eine bei weitem nicht so kurze Nase hatten wie viele heutige Perser, dürfte klar sein, dass die Deutsch Langhaarkatzen nichts mit Katzen gemein hatten, die heute oft als "Perser mit Nase" bezeichnet werden. Historische Bilder zeigen tatsächlich Katzen mit zwar rundlichen Köpfen, die aber von der Schädelform her wesentlich mehr einer Europäischen Kurzhaarkatze entsprechen als historischen Persern.

Fuchs von der Rheinburg
Auch der hochprämierte DLH-Kater "Fuchs von der Rheinburg" zeigt die typischen von Schwangart beschriebenen Merkmale: der Schädel geht mit einem sanften Schwung in einen im Vergleich zum Perser langen Nasenrücken über. Es ist nicht einmal der Ansatz zu einem Stopp zu erkennen. Der rundliche Eindruck wird zum einen durch die stumpf endende Schnauze verstärkt, zum anderen vom offenen Gesichtsschädel. D.h. die Augen sind nicht tief eingesetzt und der Nasenrücken erhebt sich nur flach über die hohen Wangenknochen.

Sehr schön ist bei Fuchs auch zu erkennen, dass die Backen glatt anliegen und die Schnurrhaarkissen ohne sich deutlich abzusetzen in die Wangen übergehen.

Die relativ großen, ausdruckstarken Augen sind leicht oval und mäßig schräg gestellt. Dies verleiht der DLH einen freundlichen Ausdruck, der sich dadurch von oft grimmig wirkenden Persern unterscheidet. Verantwortlich dafür ist das mit einer gleichmäßigen leichten Rundung verlaufende obere Augenlid, das bei Persern meist leicht überschnitten ist.

Schon bei jungen Kätzchen kann man die für die Deutsch Langhaarkatzen typischen Merkmale erkennen. In seinem in mehreren Auflagen Mitte des 20.Jahrhunderts erschienenen Buch "Unsere Katze" zeigt Otto Fehringer mehrere schöne Fotografien von Deutsch Langhaarkatzen, um das Aussehen der Rasse zu verdeutlichen. Unter dem folgenden Foto steht als Bildunterschrift: "Cremfarbige Deutsch-Langhaar, Jungtiere. Profil ganz anders als bei den Persern." Tatsächlich sind die abgebildeten Kätzchen kaum mit Perserkitten zu verwechseln und sind sehr typvolle Vertreter ihrer Rasse.

aus "Unsere Katze" von Otto Fehringer (1942)

Obwohl zwischen den heutigen Deutsch Langhaarkatzen und den historischen Abbildungen teilweise mehr als 70 Jahre liegen, besitzen die letzten reinrassigen Nachkommen der ursprünglichen DLH zu Schwangarts Zeiten aus der Zucht von Frau Aschemeier immer noch die für ihre Rasse typischen Merkmale.
 
Schätzchen (aus der Zucht
von Frau Aschemeier)
Schätzchens Kopf ist rundlich und etwas länger als breit, die stumpf endende Schnauze entwickelt sich harmonisch aus dem Gesichtschädel, in den die großen, leicht ovalen Augen flach eingesetzt sind. Die flache Stirn geht in einem sanften Schwung in den Nasenrücken über, der sich zum Nasenspiegel hin leicht römisch wölbt. Auch Schätzchens Nasenrücken erhebt sich nur leicht über die Wangenknochen und gibt ihrem Gesicht den für DLH typischen Gesichtsausdruck.

Wie bereits an den historischen Beispielen erläutert wurde, haben auch die letzten originalen Deutsch Langhaarkatzen nichts an sich, wodurch man sie für Perser halten könnte.

Durch die beschriebenen Merkmale unterscheidet sich die DLH von anderen Katzenrassen. Sie gilt es zu erhalten und in die Zucht dort einzubringen, wo sie noch nicht in ausreichendem Maß vorhanden sind, was durch die leider notwendige Einkreuzung von Foundationtieren bedingt ist.

Dass die DLH-Züchter auf einem guten Weg sind, zeigen die sehr vielversprechenden Jungtiere aus dem ersten Wurf von "Bär von der Wassermühle":


Nanook von Germangora

Nidi von Germangora

Nell von Germangora



Auch das für eine Deutsch Langhaarkatze typische Profil ist bei dem rechts abgebildeten Jungkater gut zu erkennen. Die Stirn ist nicht wie beim Perser aufgewölbt, sondern zeigt nur eine leichte Rundung. Mit einem eleganten Schwung geht sie harmonisch in den Nasenrücken über. Schön ist auch die leicht römische Form zu erkennen, d.h. der Nasenrücken zeigt in Seitenansicht einen leicht konvexen Bogen.



Mittwoch, 31. August 2011

Gesunde Rassekatzen

Informiert man sich über Rassekatzen und besucht die Homepages verschiedener Züchter, dann fällt meistens auf, dass dort die Katzen auf die unterschiedlichsten Krankheiten untersucht werden, von denen man gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Da stehen dann so Dinge wie HCM, PKD oder auch Katzenaids und Blutgruppenunverträglichkeit. Mit den Zuchtkatzen werden Gentests gemacht und teuere Untersuchungen beim Herzspezialisten. Nun ist der Gedanke recht naheliegend, dass das an der "Überzüchtung" der Rassekatzen liegt. Man könnte tatsächlich denken, dass sie so hochgezüchtet sind, dass bei ihnen alle möglichen Krankheiten viel öfter auftreten als bei der normalen kurzhaarigen Hauskatze.


Deutsch Langhaarkatze

Solche Gedanken haben sich auch Wissenschaftler gemacht und haben versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Zum Beispiel ist die häufigste Herzerkrankung bei Katzen die Hypertrophe Cardiomyopathie, HCM abgekürzt. Das ist eine Krankheit, bei der es im Laufe des Lebens zu Veränderungen am Herzmuskel kommt, die dann irgendwann zur Herzschwäche oder zum plötzlichen Herztod führen. Da es diese Erkrankung auch beim Menschen gibt, wurde viel daran geforscht und man weiß heute, dass es eine erbliche Krankheit ist. Bekannt wurde HCM bei Katzenliebhabern vor allem durch Krankheitsfälle bei Maine Coons, bei denen schätzungsweise 10% von einer Erkrankung betroffen sind. Um diese große Zahl an betroffenen Maine Coons zu senken, wurde sehr viel von Züchtern unternommen, das Problem bekannt zu machen und durch entsprechende Maßnahmen dafür zu sorgen, dass nur mit Tieren gezüchtet wird, die nicht erkrankt sind. Das ist aber auch ein Grund dafür, dass HCM immer gleich mit dieser Rasse assoziiert wird.


Hauskatze

Wie sieht das aber nun bei Hauskatzen aus? Dort scheint HCM kein Thema zu sein und nur wenige Hauskatzenbesitzer haben je von HCM gehört. Schaut man ins Wartezimmer eines Tierarztes, der sich auf Kardiologie spezialisiert hat, wird man dort nur selten Hauskatzen finden. Auch hier gewinnt man den Eindruck, dass es sich also in erster Linie um ein Problem von Rassekatzen handelt. Nur leider trügt der Schein! Man weiß heutzutage, dass Hauskatzen genauso wie die Maine Coon zu etwa 10% von HCM betroffen sind. Eine unglaublich hohe Anzahl an Hauskatzen stirbt also den plötzlichen Herztod oder leidet immer stärker an Herzschwäche, bis sie schließlich daran stirbt. Besonders traurig daran ist, dass sich bei Hauskatzen kaum jemand darüber Gedanken zu machen scheint und auch selten ein Hauskatzenbesitzer mit seiner kranken Katze zum Spezialisten geht - von Untersuchungen vor der Möglichkeit zur Fortpflanzung ganz zu schweigen.

Deutsch Langhaarkater


Nicht viel anders sieht es bei den anderen erblichen Erkrankungen aus. Sie sind kein Privileg von Rassekatzen, bei ihnen wird nur bewusst darauf untersucht. Seriöse Züchter betreiben einen großen Aufwand, um das Risiko dafür bei den Katzen, für die sie verantwortlich sind, zu senken. Deshalb werden bei Zuchtkatzen Gentests gemacht und spezielle Untersuchungen beim Tierarzt, auf die ein Liebhabertier nur im Krankheitsfall untersucht wird.


Deutsch Langhaarkitten

Auch die Deutsch Langhaar-Züchter haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihr Möglichstes zu tun, um das Auftreten von erblichen Krankheiten in ihrer Rasse zu verhindern. Verschiedene Gentests und Untersuchungen auf HCM und PKD sollen verhindern, dass betroffene Katzen die Krankheitsgene an die Nachkommen weitergeben. Zum Glück ist bis jetzt die Zuchtpopulation ausgesprochen gesund und es bestehen gute Chancen, dass das so bleibt, wenn die Züchter weiterhin so verantwortungsvoll ihre Verpaarungen planen wie das bis jetzt der Fall ist.

Samstag, 20. August 2011

The Next Generation

Jetzt ist es bereits 8 Wochen her, dass der N-Wurf in der Cattery von Germangora geboren wurde. Die Kätzchen entwickeln sich prächtig und man kann bereits jetzt von einem großen Erfolg für die Erhaltungszucht der Deutsch Langhaarkatze sprechen - es sind die ersten Nachkommen von Bär von der Wassermühle.


Studiert man alte Berichte von Ausstellungen, bei denen vor rund 80 Jahren viele Deutsch Langhaarkatzen zu sehen waren, fällt auf, dass weiße Katzen offensichtlich sehr beliebt waren. Um diese Farbe im Erhaltungszuchtprogramm der DLH nicht zu verlieren, wurde Bär mit der weißen Cosma Shiva von Germangora verpaart, die selbstveständlich audiometrisch untersucht ist und auf beiden Ohren bestens hört. Erfreulicherweise waren gleich drei weiße Kätzchen im Wurf, von denen zwei bereits ihren Platz in DLH-Zuchten gefunden haben. Nur der kleine Nalle sucht noch ein Zuhause.


Nalle von Germangora

Der Katermann wird einmal odd eyes wie seine Mutter zeigen und hat ein rassetypisches Wesen: menschenbezogen, kontaktfreudig, freundlich und unkompliziert.

Ein Großteil der Deutsch Langhaarkatzen der Familie Aschemeier trug ganz klassische Farben wie schwarz, schwarz getigert oder schildpatt - so auch der kleine Nidi von Germangora, der sich in einem schön gezeichneten black mackerel Tabby zeigt:

ein etwas verschlafener Nidi von Germangora (8 Wochen alt)

Das kleine Katerchen scheint schon jetzt ein typvoller Vertreter seiner Rasse zu werden: ein rundliches Köpfchen mit nicht zu tief eingesetzten, leicht mandelförmigen Augen, eine kurze Schnauze mit stumpfem Ende und ein feiner Schwung im Profil, dass weder gerade ist, noch einen deutlichen Stopp zeigt. Auch den breiten Nasenrücken scheint er von seinem Vater geerbt zu haben.


Samstag, 30. Juli 2011

Fünf Minuten vor Zwölf - Erhaltungszucht der DLH

Bär von der Wassermühle, Original-DLH-Kater

Die meisten Menschen werden mit dem Begriff "Erhaltungszucht" am ehesten vielleicht die Zucht bedrohter Nutztierrassen oder auch Zuchtprogramme in Zoos verbinden. Welch ein Aufwand wird dort betrieben, um die letzten kurz vor dem Aussterben stehenden Tigerarten, wie z.B. den Amuntiger, zu retten? Selbst Hunderassen, wie der Deutsche Pinscher oder verschiedene Spitzarten, werden von der GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen) als schützenswert und förderungswürdig bewertet.

Auf der anderen Seite stehen Rückzüchtungsprogramme, wie das des Heckrindes, mit dem man versucht aus unterschiedlichsten Ausgangsrassen eine Rinderrasse zu züchten, die phänotypisch dem Urahn der Hausrinder, dem Auerochsen, entspricht. Rückzüchtung wird von Wissenschaftlern im Sinne von Arterhaltung als nicht sinnvoll erachtet und hat bisher noch in keinem Fall zu einem 100% befriedigenden Ergebnis geführt, weil der gewünschte Phänotyp eben doch nicht wirklich erreicht wird. Eine Art, die einmal völlig ausgestorben ist, wird dies auch für alle Zeiten bleiben.

Was aber sind denn nun die Unterschiede zwischen Erhaltungszucht und Rückzucht?

A.K. Engeling schreibt in ihrem Buch "Rückzüchtung und Erhaltungszüchtung von Nutztierrassen" (ISBN 978-3-640-12694-1) zu diesem Thema:

"Bei der Rückzüchtungsarbeit geht es vielmehr um die Erzeugung eines Tieres, welches den gleichen Phänotyp aufweist, wie eine bereits gänzlich ausgestorbene Rasse. Der Genotyp einer einmal ausgestorbenen Rasse ist unwiederbringlich verloren und nicht wieder zu rekonstruieren. Bei einer Rückzüchtung darf deshalb nicht der Fehler begangen werden, diese Neuzüchtung mit dem Namen der ausgestorbenen Rasse zu belegen. Solche Rückzüchtungen sollten also entweder eine gänzlich neue Bezeichnung bekommen oder aber den Zusatz "Rückzüchtung" in ihrem Namen tragen. Die Neuzüchtungen gleichen der ausgestorbenen Rassen auch äußerlich meist nicht hundertprozentig."

Dies trifft z.B auf die Zucht der German Angora zu, die nach alten Gemälden durch geeignete Foundationtiere rekonstruiert werden soll. Der dabei angestrebte Typ ist ähnlich dem der DLH, aber es handelt sich bei der German Angora um eine Rückzüchtung, da die Zucht ausschließlich auf phänotypisch passenden Tieren beruht, weshalb auch der neue Rassenamen seine Berechtigung hat.

Im Unterschied dazu wird von der Autorin Erhaltungszüchtung folgendermaßen charakterisiert: "Das Ziel der Erhaltungszucht ist es, die noch erhaltenen Bestände einer gefährdeten Rasse durch entsprechende züchterische Eingriffe so lange zu unterstützen, bis sich eine ausreichend breite genetische Basis entwickelt hat, dass diese Population ohne weitere Maßnahme des Menschen bestehen bleibt. Durch Einkreuzung verschiedener anderer Rassen wird bspw. der Inzucht entgegengewirkt, ohne dass der Genpool der Ausgangsrasse verloren geht. Sowohl der Genotyp als auch der Phänotyp der Ausgangsrasse sollen bei der Erhaltungszucht erhalten bleiben. Bei den genetischen Grundlagen, auf die bei einer Erhaltungszucht zurückgegriffen wird, handelt es sich jedoch in seltensten Fällen um noch 100% reinrassige Tiere. Oft sind zu Beginn eines Erhaltungszuchtprogrammes nur noch einzelne Tiere mit einem Blutanteil von 25-50% vorhanden."

Original DLH Bömmel


Was heißt das nun in Bezug auf die DLH? Auch die DLH-Zucht wäre eine Rückzüchtung geblieben, wenn es nicht gelungen wäre, von den letzten noch fruchtbaren Katzen von Frau Aschemeier Nachkommen zu erhalten. Sie sind derzeit die einzigen bekannten Katzen, die auf Deutsch Langhaarkatzen zu Zeiten Schwangarts zurückgehen und nicht nur phänotypisch, sondern auch genotypisch diese alte Rasse verkörpern.


Wie schon Frau Engeling richtig bemerkte, ist eine ausschließliche Zucht mit extrem wenigen reinrassigen Ausgangstieren nicht möglich, weshalb durch Einkreuzen von Katzen, die der DLH phänotypisch möglichst nahe kommen, zu große Inzucht verhindert wird. Auch bei einer Erhaltungszucht sind also Foundationtiere nötig, um eine breite genetische Basis zum Erhalt der Rasse zu gewährleisten.

Der Unterschied zwischen der DLH-Erhaltungszucht und einer Rückzüchtung besteht also darin, dass bei einer Erhaltungszucht noch eine gewisse Anzahl an Original-DLH vorhanden ist, auf deren genetischer Grundlage eine neue Population aufgebaut wird. Diese Original-DLH weisen sowohl den ursprünglichen DLH-Genotyp als auch den entsprechenden Phänotyp auf, den Prof. Schwangart bereits 1929 beschrieben hatte. Im Gegensatz dazu wird bei der Rückzüchtung lediglich mit Katzen gearbeitet, die in irgendeiner Weise auf die ausgestorbene Rasse zurückgehen oder auch nur ähnliche äußere Merkmale aufweisen wie diese, um einen möglichst ähnlichen Phänotyp wiederzuerlangen.


Nidi von Germangora (Bär v.d. Wassermühle x Cosma Shiva v. Germangora)

Dies verdeutlicht sicher die Bedeutung, die den Nachkommen des letzten potenten Original-DLH-Katers "Bär von der Wassermühle" zukommt. Die folgenden Generationen werden zeigen, wie gut es den DLH-Züchtern gelingt, eine genetisch vielfältige Population zu schaffen, die sowohl genotypisch als auch phänotypisch echte Deutsch Langhaarkatzen sind.

Samstag, 23. Juli 2011

Cattery von Germangora

Die Germangoras gibt es nun schon seit 2006. Damals erfuhren wir zufällig in einem Katzenbuch (Rassekatzen züchten - Dagmar Thies) von der fast ausgestorbenen Rasse, der "Deutsch Langhaar". Die letzten Exemplare lebten bei einer älteren Dame namens R. Aschemeier, welche über mehrere Jahrzehnte Deutsch Langhaar Katzen züchtete.

Unser Interesse war geweckt und schnell stand der Entschluss fest, dass wir mit einer eigenen Zucht zur Erhaltung dieser wundervollen Rasse beitragen wollten.
Den Anfang machten zwei hübsche Mädels namens Antaska (unten) und Chin Chin (oben).







Es folgten sogenannte "Foundationtiere" und später kamen noch zwei Kater zu uns. Ende 2007 gab es die ersten Germangora-Babies von Antaska und Henry. Aus unserem einst "kleinen" Vorhaben wurde im Laufe der Zeit eine erfolgreiche Hobbyzucht, die viele typvolle und gesunde Nachkommen hervor gebracht hat. Sie konnten ihre neuen Besitzer auf ihre liebenswerte Art für sich gewinnen - ob Züchter oder Liebhaber.



Unser größtes Ziel war neben der internationalen Anerkennung der Rasse auch immer die Einbeziehung der letzten originalen Deutsch Langhaar Katzen von Frau R. Aschemeier. Wir haben damals nicht damit gerechnet, die mittlerweile betagte Dame persönlich kennen lernen zu dürfen, und schon gar nicht, dass in unserer Cattery tatsächlich die ersten Nachkommen des einzigen originalen Katers "Bär von der Wassermühle" zur Welt kommen würden ...

Sonntag, 19. Juni 2011

Die Heidegeister



Ich freue mich, dass seit knapp 2 Jahren eine Deutsch Langhaar Katze mit uns zusammen lebt. Das erstmal habe ich vor ca. 10 Jahren in einer Katzenzeitschrift von der Deutsch Langhaar gelesen. Die Katzen von R. Aschemeier haben mich fasziniert und es stand fest, irgendwann möchte ich eine DLH haben. Es hat zwar ein wenig länger gedauert, aber nun ist es ja soweit und ich bin total begeistert von dieser wunderbaren Rasse.


Als Hazel einzog hatte sie in null Komma nichts alle um ihre Kralle gewickelt. Selbst gegenüber Fremden ist sie sehr freundlich und aufgeschlossen.

 


Unsere Zucht steht noch ganz am Anfang, aber ich freue mich bei der Erhaltungszucht dieser wunderbaren Rasse mitmachen zu können.
Diese drei kleinen Süßen wurden am 24.12.2010 geboren.
Die Eltern sind Hazel und Halldor.
Arik, der jetzt Filou heißt, ist mittlerweile ins sein neues Zuhause gezogen.
Arabella bleibt bei uns, als Nachwuchsstar und Aiko sucht noch sein neues Zuhause.